Wie ist das eigentlich mit den Tomaten in Maggi Produkten?

Frau Ligons, Sie sind für die Nachhaltigkeit in der Supply Chain Nestlé Deutschland, Herr Hierling, Sie in der Qualitätssicherung bei Maggi tätig. Was bedeutet die neue Maggi Qualität für Ihre Arbeit und auch für Sie ganz persönlich?

Manfred Hierling: Für mich ist die neue Maggi Qualität ein großer Schritt und auch ein großer Erfolg. Wir zeigen unseren Verbrauchern transparent alle Details unseres Produkts auf – ob es um die verantwortungsvolle Beschaffung unserer Rohstoffe, die Zutatenliste oder verbesserte Rezepturen geht. Die Qualität steht im Mittelpunkt – so wie in meiner Arbeit seit über 37 Jahren bei Maggi. Und ich freue mich, mein Wissen über unsere Projekte zur Qualitätssicherung weiterzugeben und auch praktisch zu veranschaulichen.

Nina Ligons: Ich bin persönlich und beruflich stolz darauf, was wir mit der neuen Maggi Qualität alles erreicht haben. Für mich ist es wichtig, die Lieferkette für den Verbraucher greifbar und nachvollziehbar zu machen und damit das Vertrauen in unsere Marken zu erhöhen. Ich spreche daher gerne von einer Verantwortungskette, denn jeder – vom Bauern auf dem Feld bis hin zum Produktionsmitarbeiter im Maggi Werk – trägt ein Stück Verantwortung für die Qualität des Produkts.

Ein zentraler Bestandteil der neuen Maggi Qualität ist die verantwortungsvolle Beschaffung von Rohstoffen. Im Fokus stehen dabei 21 Gemüse- und Kräutersorten. Können Sie uns sagen, was das genau bedeutet?

Nina Ligons: Im Rahmen unserer Qualitätsinitiative haben wir für die komplette Wertschöpfungskette Richtlinien entwickelt, um die Qualität unserer Produkte kontinuierlich zu verbessern. Dazu gehört auch, dass wir genau wissen wollen, wo die Zutaten für unsere Produkte herkommen und unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen sie angebaut, geerntet und verarbeitet werden.



Daher haben wir uns bei Maggi das Ziel gesetzt, bis Ende 2020 insgesamt 21 Gemüse- und Kräutersorten aus verantwortungsvollem Anbau zu beschaffen. Dies umfasst alle Rohstoffe, die bei der Herstellung von Maggi Produkten besonders wichtig sind, wie zum Beispiel Zwiebeln und Paprika oder auch Kräuter wie Petersilie und Basilikum. Begonnen haben wir dabei mit dem am häufigsten verwendeten Rohstoff bei Maggi – der Tomate. Für die verantwortungsvolle Beschaffung von Tomaten haben wir zusammen mit unserem größten Tomatenlieferanten Conesa aus der spanischen Extremadura und unserer Partnerorganisation Fundacion Global Nature ein eigenes Programm entwickelt.

Manfred Hierling: Die Tomate ist wirklich unser „Top-Rohstoff“. Damit Sie sich eine bessere Vorstellung machen können über welche Mengen wir hier sprechen: Jährlich benötigen wir etwa 50.000 Tonnen frischer Tomaten. Das entspricht ca. 2.500 LKW Ladungen.

Sie arbeiten ja viel direkt auf den Tomatenfeldern, z.B. in Spanien. Können Sie uns am Beispiel der Tomate erklären, wie eine solche verantwortungsvolle Beschaffung genau funktioniert?

Nina Ligons: Die Tomaten für unsere in Deutschland produzierten Produkte kaufen wir ausschließlich aus Spanien, Italien und Portugal. Dort sind die Anbaubedingungen für sonnengereifte Tomaten optimal und wir haben die Möglichkeit, die sehr großen Mengen zu kaufen, die wir für unsere Produkte brauchen.

Manfred Hierling: Diese Tomaten werden dann für uns während der etwa achtwöchigen Erntesaison direkt vor Ort zu Tomatenmark verarbeitet. Die aus Freilandanbau frisch geernteten Tomaten werden passiert, um sie von Haut und Samen zu trennen. Der so entstandene Tomatensaft wird dann durch Erwärmung verdickt und anschließend steril abgefüllt. Einen Teil des Tomatenmarks verarbeiten wir dann direkt, z.B. bei unseren Maggi Ravioli. Für andere Produkte benötigen wir Tomatenpulver, z.B. bei unseren Maggi fix & frisch Produkten. Dabei greifen wir auf eine der ältesten Methoden zur Haltbarmachung von Lebensmitteln zurück: die Trocknung. Bei unseren Tomaten kommt die moderne Sprühtrocknung zum Einsatz. Dabei wird das Tomatenmark mit einer Düse in einen circa 10 bis 20 Meter hohen Turm gesprüht und durch einen Heißluftstrom innerhalb weniger Sekunden getrocknet. Zudem kaufen wir unsere Tomaten dort nicht einfach bei irgendwem. Unsere direkten Lieferanten müssen als erstes jedes Jahr unser Qualitätsaudit bestehen. Dabei handelt es sich um Kontrollen, die in unserer Qualitätssicherungs-Vereinbarung festgelegt sind und vor Ort durchgeführt werden. Das heißt ich besuche unsere Lieferanten, gehe durch die Fabriken und schaue mir die einzelnen Prozesse und Arbeitsläufe genau an. Dabei prüfe ich auch stichprobenartig die Produktherstellung. Nur so können wir sicher gehen, dass unsere Vorschriften und Vorgaben auch erfüllt werden.

Nina Ligons: Zusätzlich haben wir weitere Anforderungen definiert, die unbedingt eingehalten werden müssen. Diese betreffen z.B. den behutsamen und geringstmöglichen Einsatz von Wasser, Pestiziden und Düngemitteln sowie Projekte zum Erhalt der Biodiversität.

Und wie stellt Maggi sicher, dass die Bauern die Auflagen einhalten?

Nina Ligons: Seit 2014 finden sogenannte Assessments statt, d.h. wir analysieren die Anbau- und Erntebedingungen vor Ort sehr genau. Mit der Ernte 2015 konnten wir beginnen auszuwerten, welche Maßnahmen als Grundlage zur Verbesserung des Tomatenanbaus genutzt werden können und welche unserer Anforderungen schon jetzt erfüllt werden. Wichtig ist uns die kontinuierliche Weiterentwicklung gemeinsam mit unseren Lieferanten und Bauern. Das bedeutet auch, dass wir unsere eigenen Analysen sowie die unabhängigen Analysen, die unsere Partnerorganisation vorgenommen hat, zusammen mit den Bauern und den Lieferanten besprechen. Dies dient dann als Grundlage für das nächste Jahr, d.h. was wir für das Jahr 2016 verbessern können und erneut überprüfen werden.

Wie unterstützt Maggi die Bauern bei der Umstellung und Aufklärung?

Nina Ligons: In Spanien arbeitet Maggi seit 2014 mit einer Nichtregierungsorganisation (NGO) zusammen, der Fundacion Global Nature. Gemeinsam zeigen wir Tomatenbauern vor Ort, wie sie verantwortungsvolle Anbaupraktiken durchführen und ihre eigenen Techniken entsprechend anpassen können. Unser Ziel ist es dabei, die bestmöglichen Anbaumethoden stärker unter spanischen Bauern zu verbreiten. Aus den gesammelten Ergebnissen entwickeln wir anschließend ein Handbuch, das wir weiteren Bauern als Leitfaden zur Verfügung stellen.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: In ihrer Arbeit geht es sehr viel um die Gemüsesorte Tomate. Was ist Ihr absolutes Lieblings-Tomatenprodukt?

Manfred Hierling: Ich bin ein großer Fan von reinem Tomatenketchup sowie auch unserem Maggi fix & frisch für Tomaten Bolognese. Hier schmeckt man richtig intensiv die Tomate raus, das mag ich sehr gerne. Außerdem mache ich mir – gerade im Sommer – gerne einen Tomatensalat mit frischem Koriander.

Nina Ligons: Ich bin nicht nur beruflich, sondern auch privat ein großer Tomaten-Fan. Ich liebe zum Beispiel das Maggi fix & frisch für Lasagne und das Thomy Ketchup mit 80% Tomatenanteil.

Kurz vorgestellt:

Nina Ligons ist seit 2011 bei Nestlé zuständig für Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette. Sie achtet darauf, dass die in den Unternehmensgrundsätzen festgeschriebenen sozialen und ökologischen Standards eingehalten werden. Besonderes Augenmerk legt sie auf 100% verantwortungsvolle Beschaffung von Rohstoffen wie Palmöl, Kakao, Vanille oder Tomaten.

 

 

 

 

Manfred Hierling ist seit 1978 bei Maggi. Er ist zuständig für die Qualitätssicherung unserer Rohstoffe und ist DER Nestlé Experte für Tomaten im europäischen Markt. In dieser Funktion ist er oft auf Reisen und schaut sich vor Ort in den Anbaugebieten alles genau an.

Außerdem berät er als Experte Nestlé Kollegen weltweit zum Thema Tomaten.