Zu Besuch an der Quelle

Vittel – das ist in Frankreich das Wort für Mineralwasser schlechthin. Im alten Thermalbadeort zu Füßen der Vogesen, in dem sich schon vor 150 Jahren die Reichen und Schönen zur Wasserkur trafen, stehen heute am Rande der Kleinstadt drei große Abfüllwerke der Firma Nestlé, die das begehrte Quellwasser der Marken „Vittel“ und „Contrex“ in Flaschen füllen und vermarkten.

Von dem immensen Aufwand, der betrieben wird, um das Wasser auf einem sehr hohen Qualitätsstandard zu halten, überzeugten sich 16 Mitglieder des Nestlé-Verbraucherbeirats bei einem Besuch in Vittel.

Der Besuch begann bei „Agrivair“. Christophe Klotz, der Leiter der Nestlé-Tochter, stellte den Besuchern die Ziele des Programms zum Schutz der Vittel-Quelle vor. In den 1980er Jahren zeichneten sich Probleme mit der Nitratbelastung des Grundwassers ab, vor allem durch die hohen Gaben von Stickstoffdünger durch die Landwirtschaft. Dies war die Geburtsstunde des Agrivair-Programms: Vittel begann gegenzusteuern, indem man die Landwirte bei der Umstellung auf eine kontrollierte und schonende Landwirtschaft beriet und unterstützte. Das war ein langer und nicht immer einfacher Prozess, der mit viel Überzeugungsarbeit verbunden war. Man hat aber erkannt, dass man eine Nutzung der Quellen auf Dauer nur dann sicherstellen kann, wenn man auf Nachhaltigkeit setzt.

Heute verzichten 80% der Bauern im Einzugsgebiet von Vittel und dem Nachbarort Contrexeville auf Mineraldüngung und Pestizide und die Nitratbelastung ist auf minimale Werte gesunken. Maisanbau wird nicht mehr betrieben, da er sehr wasserintensiv ist und nicht ohne Pestizide und hohe Düngergaben auskommt. Das Vieh bekommt stattdessen Heu und Luzerne aus dem eigenen Anbau und es gilt die Richtlinie, dass man pro Hektar Hoffläche nur ein Rind hält. Auch wird in Hecken- und Baumschutz investiert, um die Artenvielfalt zu fördern. Bahndämme und Straßenränder werden mit Hitzeeinwirkung unkrautfrei gehalten, nicht mit Unkrautvernichtern.

Selbst den 18-Loch-Golfplatz von Vittel betreibt man nach den Regeln des Biolandbaus und hat dafür schon Preise erhalten.

Auch die Familien mit einem eigenen Garten werden in das Programm einbezogen. In den „Jardins de la Terre“ wurde auf einer vier Hektar großen Fläche ein Lehrgarten angelegt, der Kleingärtnern Hilfestellung bei der Umstellung auf Biogartenbau gibt. Marienkäferlarven und andere Nützlinge unterstützen bei der Schädlingsbekämpfung, resistente Sortenauswahl und die Kombination bestimmter Pflanzen im Beet machen den Einsatz von Gift überflüssig. An Beratungstagen und in Workshops lernen die Interessenten alles über biologischen Pflanzenschutz, Kompostherstellung, Baumschnitt und viele Themen mehr. Die Arbeit im Garten wird teilweise von ehrenamtlichen Helfern geleistet, aber auch von Nestle und der Gemeinde Vittel unterstützt.

In der Mittagspause im Thermalpark wurden den Verantwortlichen von Nestlé viele kritische Fragen gestellt. So ging es z.B. um Vorwürfe wie die Ausbeutung von Wasservorkommen in Südafrika und Pakistan, die unter anderem in dem Film „Bottled Life“ ausgesprochen wurden. Dieses Thema wird in der nächsten Sitzung des Verbraucherbeirats noch eine Rolle spielen, da diese Fragen in mehreren Grüppchen diskutiert wurden und nicht alle Reiseteilnehmer alle Diskussionen gleichzeitig verfolgen konnten.

Der Nachmittag gehörte der Besichtigung des Werks, in dem das „Contrex“-Wasser abgefüllt wird.

Mittels einer Rohrleitung kommt das Quellwasser aus dem Thermalpark in die drei Werke, dort wird es in die ebenfalls im Werk selbst hergestellten PET-Flaschen abgefüllt. Allerhöchste hygienische Standards und ständige Qualitätskontrollen sorgen dafür, dass die Verbraucher immer ein hervorragendes Produkt kaufen können.

Davon konnten sich auch die Besucherinnen und Besucher überzeugen, denn bei 35 Grad Außentemperatur schmeckte das Mineralwasser aus Vittel besonders gut!

Das Thema „Wasser“ wird den Verbraucherbeirat auch in der nächsten Sitzung im Oktober weiter begleiten, denn das Fazit der Reise muss den anderen Beiratsmitgliedern vorgestellt werden. Auch dann wird es sicherlich wieder spannende Diskussionen geben.

Ein Beitrag von: Mathildis Schmitz (09.09.2015)