Reisetagebuch Elfenbeinküste - Tag 3

Am dritten Tag besuchen wir als erstes die Kakaofarm von Estelle. Sie bewirtschaftet mit 3 Arbeitern 2,5 Hektar. Wir laufen durch eine schattige Plantage vorbei an Bananenstauden und Kakaobäumen, die voll mit großen Schoten hängen. Uns fällt auf, dass die Bäume hier wesentlich mehr Früchte tragen, als wir auf den anderen Pflanzungen bisher gesehen haben. Bis zu 1.200 kg bringt jeder Hektar – dreimal so viel wie normal. Die Erklärung: Hier werden die Bäume regelmäßig gestutzt, aus den Pflanzenabfällen wird organischer Kompost hergestellt. 

Die Arbeiter zeigen uns, wie man Kakaoschoten mit der Machete vom Baum schneidet, ohne die empfindliche Rinde zu verletzen. Wir dürfen es auch probieren – gar nicht so leicht. Als kleinen Snack zwischendurch gibt‘s eine Banane direkt von der Staude.

Nächste Station, nach einer einstündigen, staubigen Fahrt über Land: Die Experimentier-Farm von Nestlé in Zambakro, die letztes Jahr neu eröffnet wurde. Auf rund 30 Hektar werden hier unter Praxisbedingungen Pflanzensetzlinge erprobt und aufgezogen. Außerdem finden hier Schulungen für Landwirtschaftstrainer statt und die Farm dient als Demonstrationsanlage, um Bauern zum Nachahmen zu motivieren.

In Zambakro geht es aber nicht nur um Kakao, sondern auch um Kaffee, Maniok und Getreide. Wir lernen bei einem Rundgang, dass sich z.B. Kaffee und Mais oder Kakao und Banane hervorragend vertragen und zusammen angebaut werden können. Dadurch steigt die Bodenfruchtbarkeit und die Bauern können auf der gleichen Fläche Produkte zum Verkauf und für die eigene Ernährung anbauen.

Weiter geht es zur Kooperative Ekoya – hier nehmen wir an einer Farmer Field School teil. Mitten in einer Kakaopflanzung versammeln sich rund 20 Bauern. Die Schulung ist eine der Anforderungen im Cocoa Plan und bei UTZ Certified. Auf dem Lehrplan stehen richtiger Erntezeitpunkt, Fermentierung und Trocknung der Kakaobohnen. Wir dürfen selber mit einem dicken Knüppel Kakaoschoten aufschlagen und die Bohnen, die von einer glitschigen weißen Masse umgeben sind, aus der Schote holen. Anschließend kommen die Bohnen zur Fermentierung für eine Woche in eine Grube, die mit Bananenblättern abgedeckt wird.

Letzte Station für heute ist eine Baumschule der Kooperative. Hier erhalten die Bauern neue, leistungsfähige Setzlinge, wenn sie ihre Pflanzungen erneuern wollen. Die von Nestlé bereitgestellten Setzlinge bringen deutlich höhere Erträge – bis zu 2.000 Kilogramm pro Hektar sollen hiermit möglich sein. Die Setzlinge sind für die Kooperative kostenlos. Einzige Bedingung: Die Bauern dürfen hiermit nur alte Pflanzungen erneuern, aber keine neuen Flächen roden.  

Ein Beitrag von: Lisa Giesbrecht (13.02.2014)