Was denkt der Verbraucher über Nestlé – Thema des zwölften Treffens des Nestlé Verbraucherbeirats

Nestlé und das Wasser. Ein Thema, das den Nestlé Verbraucherbeirat seit einigen Treffen beschäftigt, steht auch während der zwölften Sitzung wieder auf der Agenda.

Worum geht es?
Nestlé bezieht weltweit Wasser für seine 95 Wasserabfüllanlagen. Ein Thema, über das häufig in der Presse berichtet wird, ist der Standort Vittel in den französischen Vogesen. Der Verbraucherbeirat hat sich hier bereits zweimal ein Bild vor Ort machen können. In der Berichterstattung gab es darüber hinaus auch immer wieder Artikel über Streitpunkte bei der Wasserentnahme in Kalifornien und Pakistan. Wasser ist ein Thema, das in der Presse dauerhaft präsent ist und auch den Verbraucherbeirat beschäftigt.

Am 07. und 08. März 2019 traf sich der Nestlé Verbraucherbeirat in Frankfurt, um sich in Workshops und Gesprächen mit Verantwortlichen von Nestlé ein eigenes Bild über die Faktenlagen und die Initiativen von Nestlé zu bilden. Neben Wasser ging es auch um das Thema Verpackungen und wie Nestlé in Zukunft den Anteil an nachhaltigen Verpackungen noch weiter erhöhen kann.

Das Problem mit dem Wasser

Nestlé gehört international zu den größten Wasserabfüllern. Die Produkte von Nestlé Waters sind in 170 Ländern erhältlich. Darunter auch Regionen, in denen vor Ort komplexe Situationen in Bezug auf Wasserrechte, Geologie und lokale Besonderheiten herrschen.

Den Mitgliedern des Nestlé Verbraucherbeirats wurden während der zwölften Sitzung verschiedene Beispiele präsentiert, bei denen Nestlé in der Öffentlichkeit aufgrund von einzelnen Konflikten in der Kritik steht. Auf der anderen Seite finden die Initiativen und Partnerschaften zum verantwortungsvollen Umgang mit Wasser, wie z.B. AWS und WRG wenig Nachhall in der öffentlichen Berichterstattung. Mehr Infos hierzu unter: https://www.nestle.de/wasser/verantwortung

Die Wahrnehmung, so die Meinung der Beiräte, wird häufig nicht der Sachlage gerecht, bzw. verkürzt die Problematik stark zu Ungunsten von Nestlé. Natürlich sei eine kritische Betrachtung notwendig, jedoch fällt die Härte der Gegenrede, besonders in den sozialen Medien vielen Beiratsmitgliedern auf.

Nestlés Reaktion

Aus Sicht der Verbraucherbeiräte hat sich Nestlé sehr passiv verhalten. Das wurde zum Beispiel in Workshops und Diskussionen mit Corinna Weinmiller (Team Nachhaltigkeit) und Nicole Henninger (Corporate Marketing) deutlich. Viele Kooperationen, z.B. mit NGOs, Nachhaltigkeitsprojekte, lokale Entwicklungsprogramme und Konfliktlösungen, die durch Nestlé in vielen Fällen realisiert wurden, sind nicht ausdrücklich und vor allem deutlich genug kommuniziert worden.

Die emotionale Komponente

Wasser ist ein sehr emotionales Thema. Auch innerhalb des Beirats wird das Thema kritisch und intensiv diskutiert. Die Forderung ist klar: Nestlé muss die Initiativen und erfolgreiche Projekte stärker kommunizieren.

Herbert König fasst die Diskussion im Verbraucherbeirat wie folgt zusammen:

„Es ist immer einfacher, eine Kritik anzubringen und zu sagen: ‚ihr seid bös‘, ihr seid schlecht. Aber eine Lösung habe ich nicht.“

Verbraucherbeirätin Klara Lea Krause fasst die derzeitige Situation sehr gut zusammen:

„Es hat sich an meiner Wahrnehmung sehr viel geändert. Also vorher war es für mich immer so, dass Nestlé gar nichts dafür macht. Es ist alles schlimm, was die machen. Egal was sie tun, sie werden alles immer schlimmer machen. Und ich sehe jetzt schon, dass Nestlé da sehr, sehr stark versucht sein Verhalten zu bessern.“

 

Das Thema Plastik im Verbraucherbeirat

Weitere Themen, mit denen sich die Verbraucherbeiräte auseinandersetzten, waren die Themen Plastik und nachhaltige Verpackungen. Auch standen neue Verpackungsdesigns und Produktentwicklungen auf der Tagesordnung. Daher wurden während der beiden Tage dem Feedback und Meinungen der Beiräte in Gesprächen mit Produktverantwortlichen von Nestlé großer Raum eingeräumt. Inspiration war dabei unter anderem die neu entwickelte Papierverpackung von Nesquik, die ohne Plastik auskommt, aber auch andere, nachhaltige Verpackungskonzepte. Auch hier stellt sich für viele Beiratsmitglieder die Situation komplexer dar, als man auf den ersten Blick denkt.

Verbrauchsbeirat Bernd Blanke sieht das so:

„Man darf nicht vergessen, Nestlé ist ein Lebensmittelkonzern, der tausende verschiedene Produkte produziert. Die müssen alle so haltbar und sicher, wie möglich, verpackt werden. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Das ist nicht so einfach.“

Der Verbraucherbeirat im Gespräch mit Marc-Aurel Boersch, dem neuen Nestlé-Deutschlandchef

Während der zweitägigen Sitzung des Nestlé Verbraucherbeirates gab es für die Beiräte die Gelegenheit, sich mit Marc-Aurel Boersch auszutauschen, der Nestlé in Deutschland seit dem 01.01.2019 leitet.

Marc-Aurel Boersch, stellte sich offiziell den Beiräten vor und beantwortete ihre Fragen zu den Themen Kommunikation, Kritik an Nestlé und schilderte seine Erwartungen in der Zusammenarbeit mit dem Beirat:

Marc-Aurel Boersch:

„Ich erwarte von den Beiräten, dass sie ehrlich zu uns sind, dass sie Kritik üben, dass sie alles offen ansprechen, dass sie unser Sparringspartner werden auf dem Weg in die Zukunft.“

Die Themen von heute und morgen

Die Themen Wasser und Plastik werden den Verbraucherbeirat auch in der kommenden, neuen Amtszeit noch beschäftigen. Nestlé, der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt, steht in der Pflicht, Weichen zu stellen und Initiativen anzuschieben. Vor allem aber, bereits realisierte Projekte dem Verbraucher glaubwürdig näher zu bringen.

Verbraucherbeirat Bernd Blanke bringt es für sich auf den Punkt:

„Es gibt nur diese eine Erdkugel, die wir haben. Und die Ressourcen vermehren sich nicht, im Gegenteil. Damit muss man sehr sorgsam umgehen.“