Energiesparende Nachbarschaftshilfe.

Friedrich-Wilhelm Schmidt borgt sich Abwärme

Kennen Sie das: Sie wollen sonntags kochen – und haben nicht alle Zutaten eingekauft. Da hilft gern mal der Nachbar aus. Bei Friedrich-Wilhelm Schmidt hat die Hilfe von nebenan eine ganz andere Dimension: Dank eines freundlichen Nachbarn spart Nestlé 11.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Eine Tasse Sahne beim Nachbarn borgen ist eine Sache. Aber wie leiht man sich Klimaschutz?

Wenn man nach solchen Möglichkeiten sucht, ergeben sie sich manchmal wie von selbst. So war es auch in diesem Fall: Das Maggi Werk in Singen braucht Wärme. Die Gießerei direkt nebenan produziert viel Abwärme. Wir kamen gemeinsam auf die Idee, diese Abwärme für unsere Produktion von Maggi Ravioli und Maggi Würze zu nutzen.

Gießerei hilft Lebensmittelproduktion – wie geht das?

Im Grunde nutzen wir die Abwärme der Gießerei, statt Erdgas zu verbrauchen: Seit Anfang 2009 erhitzt die überschüssige Abwärme des Hochofens ein Thermoöl, das im MAGGI Werk über einen Wärmetauscher Wasserdampf erzeugt. Dieses komplexe System aus Wärmetauschern, einer Heißölleitung und einem herkömmlichen Dampfkessel sorgt dafür, dass stets reiner Dampf für die Produktion zur Verfügung steht. So sparen wir bis zu 11.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Das entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß aller Autos einer Kleinstadt. Diese „Nachbarschaftshilfe“ wurde 2010 mit dem Umweltpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

 





Ein kreativer Einsatz von Energie – aber sicher ein Einzelfall, oder?

Ganz und gar nicht! Zum Beispiel haben wir in unserem Verwaltungsgebäude in Frankfurt ein großes Rechenzentrum. Statt die Server einfach mit einer Klimaanlage auf Betriebstemperatur zu kühlen, nutzen wir ihre Wärme. Mit einer Ammoniak-Hochdruck-Wärmepumpe im Kühlkreislauf speisen wir die Wärme in das Heizungsnetz des Gebäudes ein. Das deckt rund 40 % des Energiebedarfs, um 1.200 Mitarbeitern einen angenehmen Arbeitsplatz zu schaffen. Das spart ca. 400 t CO2 pro Jahr und rechnet sich auch wirtschaftlich.

Betrachten wir das große Ganze: Wie schonen Maggi und Nestlé die Umwelt?

Wenn man sich die Wertschöpfungskette für Lebensmittel anschaut, dann entfallen nur rund 20 bis 30 % der Treibhausgasemissionen auf die Produktion, der Rest kommt im Wesentlichen aus der Landwirtschaft. In unseren eigenen Produktionsprozessen machen wir aber trotzdem einiges: Wir verfolgen das Ziel, jährlich den Energiebedarf und den Wassereinsatz in unseren Werken kontinuierlich zu reduzieren. So hat Nestlé über die vergangenen 10 Jahre den Wassereinsatz um rund 60 % und den direkten Energiebedarf der Werke um gut 40 % je Tonne Produkt verringert. Und damit vermeiden wir auch CO2-Emissionen: Über 50 % haben wir die CO2-Emissionen pro Tonne Produkt reduziert. Etwa 12 % unseres Energiebedarfs kommt auch aus erneuerbaren Quellen. Außerdem gewinnen wir immer wieder Preise, wie den „Kältepreis 2010“ des Bundesumweltministeriums. Das motiviert natürlich auch unsere Teams in den Werken.

Und was macht der Privatmensch Friedrich-Wilhelm Schmidt für die Umwelt?

Zu Hause versuche ich natürlich auch, Ressourcen zu schonen: Energiesparbirnen und vorausschauendes Heizen und Lüften gehören dazu. Außerdem spart man Strom, wenn man sich mit den Lieblingsnachbarn gemeinsam abends auf eine Terrasse setzt.

Kurz vorgestellt:

Friedrich-Wilhelm Schmidt ist Safety & Environmental Officer. und Versorgungsingenieur in der Nestlé Deutschland AG. Ausgehend von seiner langjährigen Tätigkeit als Ingenieur in der Versorgungstechnik im In- und Ausland hat er sein Hobby zum Beruf gemacht: Ressourceneffizienz in der Lebensmittelindustrie.
Seinen Einstieg hatte er als Betriebsingenieur in einer Schokoladenfabrik. Danach folgte die Tätigkeit im zentralen Ingenieurbereich für Deutschland in Frankfurt und in der Zentrale in Vevey. Seit ca. 15 Jahren ist er in seinem jetzigen Arbeitsfeld tätig. Dabei ist ein weiteres Aufgabenfeld hinzugekommen: Die Arbeitssicherheit.
Durch die systematische Einführung eines Arbeitssicherheits- Managementsystems konnte die Unfallrate um im Laufe von 10 Jahren um über 90 % gesenkt werden.