Nestlé checkt regelmäßig die Nährwerte seiner Produkte für eine bessere Produktqualität

Produkt-Checks bei Nestlé: Nährwerte auf dem Prüfstand

Nestlé checkt die Nährwerte der eigenen Produkte regelmäßig. Warum?

Dr. Annette Neubert, Head of Corporate Nutrition
Dr. Annette Neubert, Head of Corporate Nutrition
Es ist uns wichtig, dass unsere Produkte gut in eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung passen. Da jedes Lebensmittel eine andere Rolle im täglichen Speiseplan spielt, bewerten wir unsere Produkte natürlich auch unterschiedlich. Für Hauptgerichte gelten zum Beispiel andere Nährwert-Anforderungen als für Saucen oder Süßwaren. Dabei versuchen wir in einem fortlaufenden Prozess, die Zusammensetzung unserer Produkte in Bezug auf die Nährwerte zu verbessern, zum Beispiel den Zucker- oder Salzgehalt zu reduzieren.

Wie ist denn die richtige Zusammensetzung definiert?

Zu dem Zeitpunkt, als wir mit unseren systematischen Checks begonnen haben, gab es keine speziellen umfassenden Kriterien für die richtige Zusammensetzung von Lebensmitteln. Aus diesem Grund haben unsere Experten im Nestlé Forschungszentrum, einen umfangreichen Kriterien-Katalog für Lebensmittelgruppen entwickelt. Bei dem gesamten System mit all seinen festgelegten Kriterien sprechen wir vom sogenannten Nestlé Nutritional Profiling System.

Wie wurden diese Kriterien entwickelt?

Nutritional Profiling: In regelmäßigen Abständen überprüfen wir unsere Produkte.
Für jede Produktkategorie sind die Kriterien anders definiert.
Bei der Entwicklung haben wir Ernährungsempfehlungen von Experten und Institutionen berücksichtigt, z.B. die der Weltgesundheitsorganisation. Da diese Empfehlungen aber meistens allgemein für eine ausgewogene Ernährung gelten, wie z.B. nicht zu viel Fett oder Zurückhaltung beim Salz, war es notwendig, diese eher übergreifenden Empfehlungen in konkrete Grenzwerte für die verschiedenen Kategorien und Produkte umzuwandeln. Dabei haben wir vor allem darauf geachtet, welche Rolle ein Produkt in einer ausgewogenen Ernährung spielt. Denn es ist etwas ganz anderes, ob man eine Portion Senf beurteilt oder eine ganze Mahlzeit, wie z.B. Spaghetti Bolognese. Das ist auch der Grund dafür, dass es nicht DIE Kriterien gibt, sondern den Kriterien-Katalog, der je nach Produktkategorie anders definiert ist.

Spielt nicht auch das Alter eine wichtige Rolle, wenn es um ausgewogene Ernährung geht?

Ja, klar. Das Alter unserer Konsumenten, die das Produkt normalerweise essen bzw. verwenden, berücksichtigen wir natürlich auch. Und wir schauen uns auch die Produkte pro Portion an, d.h. in der Menge und in der Form, in der sie dann auch gegessen werden.

Welche Nährwerte werden bei den Produkt-Checks berücksichtigt?

Nutritional Profiling: Wir checken regelmäßig die Nährwerte unserer Produkte.
Wir checken regelmäßig die Nährwerte unserer Produkte.
Für alle Produkte werden bestimmte Nährwerte untersucht, wie z.B. Kalorien, gesättigte Fettsäuren, zugesetzter Zucker oder Salz. In Abhängigkeit von der jeweiligen Kategorie, zu der ein Produkt gehört, werden weitere Faktoren geprüft, wie z.B. Calcium in Milchprodukten.

Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

Zu Beginn haben wir die Überprüfung der Nährwerte in allen unseren Produkten „auf einen Rutsch“ durchgeführt, um dann auch eine gute Basis für die Überarbeitungen zu haben. Inzwischen ist das natürlich ein kontinuierlicher und vor allem auch systematischer Prozess. Bei neuen Produkten werden die Nährwert-Anforderungen für jede einzelne Produktkategorie bereits in der Produktentwicklung berücksichtigt.

Können Sie uns sagen, wie Sie den Produkt-Check bei Kinderprodukten anwenden?

Kinderprodukte sind uns besonders wichtig. Kinder sind in einer besonderen Lebenssituation und haben daher auch andere Bedürfnisse als Erwachsene. Deswegen sind die Kriterien, die wir hier heranziehen, strenger. Konkret heißt das, dass z.B. bezüglich des Salz- bzw. Zuckergehaltes niedrigere Grenzwerte zur Bewertung zugrunde gelegt werden. Auch hier arbeiten wir in einem fortlaufenden Prozess an der Verbesserung bestehender Produkte. Bei Kaktus Eis z.B. haben wir schon vor einiger Zeit den Zuckergehalt um ca. 20 % reduziert. Die besonderen Kriterien für Kinderprodukte führen bei uns noch zu einer ganz anderen Konsequenz: Nur die Produkte, die die konkreten Anforderungen für diese junge Zielgruppe erfüllen, dürfen gegenüber Kindern unter 12 Jahren beworben werden.

Welches sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen?

Geschmack: Wir wollen, dass Ihnen unsere Produkte schmecken.
Auch die überarbeiteten Produkte sollen richtig gut schmecken.
Eine Veränderung des Produktes aus Ernährungsgesichtspunkten hat auch Einfluss auf eine Reihe von anderen Faktoren. Zunächst ist es natürlich wichtig zu gewährleisten, dass das Produkt sicher ist. Eine Reduzierung des Salzgehaltes, z.B. bei Schinken, kann die mikrobiologische Sicherheit beeinträchtigen. Das ist mit höchster Priorität zu berücksichtigen.

Außerdem hat eine Veränderung der Zusammensetzung eines Produktes Einfluss auf den Geschmack und unser Ziel ist es natürlich, dass den Konsumenten auch die überarbeiteten Produkte richtig gut schmecken. Denn wenn Produkte nicht schmecken, können diese noch so „gut“ sein – sie werden von den Konsumenten nicht angenommen.

Nicht zuletzt haben Veränderungen in der Zusammensetzung auch andere Auswirkungen. Eine Reduktion von Zucker und Fett zum Beispiel beeinflusst die Stabilität und Cremigkeit von Eis. Und wir wollen auch nicht unbedingt „normale“ Zutaten durch solche ersetzen, die der Verbraucher in diesem Produkt nicht kennt bzw. erwartet.

All diese Aspekte müssen wir im Auge behalten, wenn wir Produkte entwickeln bzw. wenn wir Produkte überarbeiten. Und um all diesen Anforderungen gerecht zu werden – vor allem denen unserer Konsumenten, arbeiten wir eng mit den Kollegen der Produktentwicklung und den Marketingabteilungen zusammen.